Der Nachtflug übt auf viele Privatpiloten eine ganz besondere Faszination aus. Wenn die Sonne untergeht, die Landschaft in Dunkelheit versinkt und nur noch Lichterketten von Städten, Straßen und Flugplätzen Orientierung geben, verändert sich das Fliegen grundlegend. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Planung, Disziplin und fliegerisches Können. Der Nachtflug ist kein „normaler“ Sichtflug bei Dunkelheit, sondern eine eigene fliegerische Disziplin, die Respekt, Vorbereitung und Erfahrung erfordert.
In diesem Beitrag werden die wichtigsten Aspekte des Nachtflugs beleuchtet – von der sorgfältigen Vorbereitung über rechtliche und operative Anforderungen bis hin zu den besonderen Gefahren und Vorteilen. Zudem wird auf die gemeinschaftlich organisierten Nachtflugveranstaltungen der Flugplätze Oehna (EDBO), Neuhardenberg (EDON), Schönhagen (EDAZ), Welzow (EDCY), Strausberg (EDAY) und Eberswalde (EDAV) eingegangen, die für viele Privatpiloten einen idealen Einstieg in das nächtliche Fliegen bieten.
Vorbereitung des Nachtflugs
Die Vorbereitung eines Nachtflugs beginnt deutlich früher und ist umfangreicher als bei einem Tagesflug. Bereits die persönliche Flugtauglichkeit spielt eine größere Rolle: Müdigkeit, Konzentrationsfähigkeit und Tagesform wirken sich nachts stärker aus als bei Tageslicht. Piloten sollten sich bewusst fragen, ob sie wirklich fit sind, insbesondere wenn der Flug nach einem langen Arbeitstag stattfinden soll.
Ein zentraler Punkt ist die gründliche Flugvorbereitung. Dazu gehören Wetteranalyse, NOTAM-Studium und die genaue Betrachtung der Streckenführung. Sichtflug bei Nacht bedeutet nicht automatisch gute Sicht – Dunst, tiefe Bewölkung oder fehlender Mond können die Orientierung erheblich erschweren. Auch thermische Turbulenzen verschwinden zwar meist, dafür können Bodennebel oder Inversionslagen neue Risiken schaffen.
Ebenso wichtig ist die technische Vorbereitung des Luftfahrzeugs. Beleuchtung, Positionslichter, Landescheinwerfer, Instrumentenbeleuchtung und elektrische Systeme müssen einwandfrei funktionieren. Ein Defekt, der tagsüber lediglich unangenehm wäre, kann nachts sicherheitskritisch werden. Redundanz und saubere Checklisten sind daher unverzichtbar.
Öffnungszeiten der Flugplätze – ein entscheidender Faktor
Ein häufig unterschätzter Punkt beim Nachtflug ist die Verfügbarkeit der Flugplätze. Nicht jeder Flugplatz ist nachts geöffnet, und selbst Plätze mit Nachtflugerlaubnis haben oft eingeschränkte Betriebszeiten oder benötigen eine vorherige Anmeldung.
Vor jedem Nachtflug muss daher zwingend geprüft werden:
- Ob der Abflug- und Zielflugplatz Nachtflugbetrieb zulässt
- Zu welchen Zeiten Befeuerung und Betriebsleitung verfügbar sind
- Ob eine vorherige Anmeldung (PPR) erforderlich ist
Gerade kleinere Verkehrslandeplätze schalten ihre Befeuerung nicht automatisch ein, sondern nur auf Anfrage. Wer dies übersieht, riskiert im schlimmsten Fall, nicht landen zu können. Eine sorgfältige Planung und telefonische Abstimmung im Vorfeld gehören daher zur Pflicht jedes verantwortungsvollen Piloten.
Flugplanpflicht beim Nachtflug
Ein zentraler rechtlicher Aspekt des Nachtflugs ist die Verpflichtung zur Aufgabe eines Flugplans. Im Gegensatz zu vielen VFR-Flügen am Tage ist der Nachtflug in Deutschland grundsätzlich flugplanpflichtig. Diese Regelung dient der Sicherheit und stellt sicher, dass im Falle einer Verspätung oder eines Ausbleibens der Landung zeitnah Such- und Rettungsmaßnahmen eingeleitet werden können.
Der Flugplan sollte realistisch geplant werden, sowohl in Bezug auf Flugzeit als auch auf die geplanten Landepunkte. Besonders bei mehreren Zwischenlandungen ist darauf zu achten, dass alle Abschnitte korrekt eingetragen sind. Änderungen unterwegs sollten – soweit möglich – ebenfalls kommuniziert werden.
In der Praxis hat es sich bewährt, bei gemeinschaftlichen Nachtflugveranstaltungen zunächst einen weiter entfernten Flugplatz anzufliegen. Dadurch ergibt sich ein klarer, strukturierter Flugplan mit nachvollziehbarem Verlauf, der sowohl flugbetrieblich als auch organisatorisch Vorteile bietet.
Gefahren des Nachtflugs
So faszinierend der Nachtflug auch ist, er bringt spezifische Risiken mit sich. Die eingeschränkte visuelle Wahrnehmung ist dabei der größte Faktor. Horizonte sind schwer erkennbar, unbeleuchtete Hindernisse nahezu unsichtbar. Optische Täuschungen – etwa durch Lichter am Boden oder fehlende Referenzen – können zu Fehleinschätzungen von Höhe und Lage führen.
Auch die Notfalloptionen sind stark eingeschränkt. Eine Außenlandung bei Nacht stellt ein erheblich höheres Risiko dar als am Tage. Entsprechend wichtig ist eine konservative Entscheidungsfindung hinsichtlich Wetter, Treibstoffreserve und technischer Auffälligkeiten.
Hinzu kommt die mentale Belastung. Nachtflug erfordert permanente Aufmerksamkeit, Instrumentendisziplin und ein hohes Maß an Selbstkontrolle. Wer sich dessen bewusst ist und entsprechend handelt, kann diese Risiken jedoch beherrschbar halten.
Vorteile des Nachtflugs
Trotz aller Herausforderungen bietet der Nachtflug einzigartige Vorteile. Die Luft ist häufig ruhiger, der Funkverkehr deutlich entspannter und der Himmel frei von thermischer Unruhe. Viele Piloten empfinden das Fliegen bei Nacht als besonders ruhig und konzentriert.
Hinzu kommt der ästhetische Aspekt: beleuchtete Städte, klare Sternenhimmel und das besondere Gefühl, sich in einer ansonsten schlafenden Welt zu bewegen. Für viele Piloten ist der Nachtflug ein emotionales Highlight ihrer fliegerischen Laufbahn.
Auch fliegerisch bringt der Nachtflug Vorteile. Er schärft die Instrumentenflugfähigkeiten, fördert Disziplin und Planungskompetenz und erweitert den persönlichen Erfahrungshorizont erheblich.
Gemeinschaftliche Nachtflugveranstaltungen in Brandenburg
Ein besonders positives Beispiel für gelebte Fliegergemeinschaft sind die regelmäßig stattfindenden Nachtflugveranstaltungen der Flugplätze Oehna (EDBO), Neuhardenberg (EDON), Schönhagen (EDAZ), Welzow (EDCY), Strausberg (EDAY) und Eberswalde (EDAV). Diese Plätze koordinieren ihre Öffnungszeiten und schaffen damit ideale Bedingungen für sichere und abwechslungsreiche Nachtflüge.
Piloten, die an solchen Veranstaltungen teilnehmen möchten, sollten sich frühzeitig bei den jeweiligen Flugplätzen anmelden und angeben, wo sie landen möchten. Die enge Abstimmung erleichtert die Organisation, sorgt für verlässliche Betriebszeiten und erhöht die Sicherheit für alle Beteiligten.
Ein bewährter Ansatz ist es, zunächst einen weiter entfernten der beteiligten Flugplätze anzufliegen und anschließend schrittweise näher gelegene Plätze anzusteuern. So lassen sich der Flugplan effizient gestalten und mehrere Landungen in einem strukturierten Ablauf realisieren.
Fazit
Der Nachtflug ist eine der faszinierendsten Disziplinen der Allgemeinen Luftfahrt. Er verlangt Respekt, gründliche Vorbereitung und ein hohes Maß an Verantwortung. Wer diese Anforderungen ernst nimmt, wird mit einzigartigen Eindrücken, fliegerischer Weiterentwicklung und einem besonderen Gemeinschaftsgefühl belohnt.
Gerade die organisierten Nachtflugveranstaltungen der regionalen Flugplätze zeigen, wie sicher, professionell und gleichzeitig genussvoll Nachtfliegen sein kann. Sie verbinden fliegerische Herausforderung mit kameradschaftlichem Austausch – und machen den Nachthimmel für Privatpiloten zu einem ganz besonderen Erlebnis.
Anmeldung zum Nachtflug
Flugplatz Welzow EDCY, Telefon +49 35751 13833, PPR-Anmeldung hier
Flugplatz Schönhagen EDAZ, Telefon +49 33731 3050, PPR-Anmeldung hier
Flugplatz Strausberg EDAY, Telefon +49 3341 345370, PPR-Anmeldung hier
Flugplatz Eberswalde EDAV, Telefon +49 3334 34418, PPR-Anmeldung hier
Flugplatz Neuhardenberg EDON, Telefon +49 33476 60878, PPR-Anmeldung hier
Flugplatz Oehna EDBO, Telefon +49 33742 617-0, PPR-Anmeldung hier
alle weiteren Veranstaltungen unter Veranstaltungsübersicht

